§68

Aus Hieroglyphisch-Ägyptische Grammatik

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Nominalphrasen

(Dieser Paragraph kann ggf. zunächst übergangen werden.)

(1) Ein Substantiv kann – wie wir in verschiedenen vorangehenden Paragraphen gesehen haben – mehrere Zusatzinformationen um sich scharen kann, die das Substantiv näher bestimmen, z.B. dtsch. diese Pferde (Demonstrativpronomen), starke Pferde (Adjektiv), Pferde des Königs (Genitiv-Attribut). Den Kern (Nukleus) der Wortgruppe bildet dabei das Substantiv (hier Pferde), die Zusatzinformationen (hier: i. diese, ii. starke, iii. des Königs) sind ihm grammatisch untergeordnet, man spricht von Attributen oder Satelliten.


[Satellit] [Satellit] [Kern] [Satellit]
Werning-Einfuehrung-2015-§68 Nominalphrasen 1.png


Nach der Wortart des Kerns nennt man so eine Gruppe Substantivalphrase bzw. – in Anlehnung an den Sprachgebrauch im Englischen (noun) sehr viel üblicher – „Nominalphrase“ (Abkürzung: „NP“).

Eine Nominalphrase kann – syntaktisch gesprochen – überall dort stehen, wo auch ein einfaches (unerweitertes) Substantiv stehen kann, z.B. [Pferde]NP sind schön. / [Diese starken Pferde des Königs]NP sind schön. Man spricht hier von „paradigmatischer“ Austauschbarkeit.

Ein einfaches, unerweitertes Substantiv kann man dabei trotz ihrer Eingliedrigkeit auch als maximal einfache Nominalphrase verstehen.


(2) Typische und häufige ägyptische Nominalphrasen sind die folgenden:

a) Substantiv plus Adjektiv (§55):

[Substantiv] [Adjektiv]
𓊹𓂋𓏏𓁐 𓄤𓂋𓏏
nṯr.t nfr.t
‘die vollkommene Göttin’
[Kern] [Satellit]
Werning-Einfuehrung-2015-§68 Nominalphrasen 2a.png


b) Substantiv plus Indirekter Genitiv (§26):

[Substantiv] [„Genitiv“-Morphem Substantiv]
𓂋𓈖 𓈖 𓊹𓂋𓏏𓁐
rn n(.ï) nṯr.t
‘der Name der Göttin’
[Kern] [Satellit]
Werning-Einfuehrung-2015-§68 Nominalphrasen 2b.png


c) Substantiv plus Direkter Genitiv (§26):

[Substantiv] [Substantiv]
𓂋𓈖 𓊹𓂋𓏏𓁐
rn-nṯr.t
‘der Name der Göttin’
(Man beachte den Bindestrich zur Anzeige des Direkten Genitivs.)
[Kern] [Satellit]
Werning-Einfuehrung-2015-§68 Nominalphrasen 2c.png


d) Substantiv plus Suffixpronomen (§29), z.B. nb⸗j ‘mein Herr’.

Etwas seltener vorkommende Nominalphrasen sind:

  • Substantiv plus Demonstrativpronomen (§30, §31), z.B. nṯr.t tn ‘diese Göttin’,
  • Substantiv plus Indefinitpronomen (§58), z.B. nṯr.t nb.t ‘jede Göttin’,
  • Substantiv plus adjektivisches Zahlwort (‘ein(s)’, ‘zwei’ und Ordinalzahlen; §66), z.B. zꜣ.tï sn.tï ‘zwei Töchter’.

Weitere Satelliten werden wir später kennenlernen (§95§104: Partizipien wie z.B. in ‘rennende Pferde’, Relativsätze wie z.B. in ‘Pferde, die im Stall stehen, …’, sog. „Relativformen“, u.a.m.).


(3) Wenn ein Kernnomen mehrere Satelliten hat, tauchen diese in einer festen Reihenfolge auf:

ky Kern-
nomen
direkter
Genitiv
nb Adjektive Indirekter
Genitiv
(n(.ï) + NP)
r-ḏr⸗f u.ä.
ṯnw
nhï n(.ï) Suffix-
pronomen
pn/pf/pw Adverbial-
phrasen
nn/nw/nf/nꜣ n(.ï)


(4) Nominalphrase mit Zahlen ab ‘drei’ (§66), z.B. fd.w nṯr.(w) ‘vier Götter’, bilden einen Sonderfall. Zur Erinnerung: Hier ist – entgegen der Intuition des/der Deutsch Sprechenden – das Zahlwort der Kern und das Gezählte ein Satellit des Zahlworts. Da der Numerus des Zahlworts selbst nicht Plural sondern Singular (oder besser: Kollektiv) ist, sind etwaige weitere Satelliten und Verweise auf die Nominalphrasen auch im Singular.

Weitere Typen von Nominalphrasen stellt der folgende Paragraph zusammen.

Literaturhinweise

Allen (²2010: Kap. 4.10, 4.13–14); Schenkel (⁵2012: Kap. 5.2.0, 5.2.2–3)

Siehe Bibliographie (teilweise mit Links zu online verfügbaren Werken).


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Daniel A. Werning. 26.7.2018. "§68", Digitale Einführung in die hieroglyphisch-ägyptische Schrift und Sprache, Humboldt-Universität zu Berlin, http://hdl.handle.net/21.11101/0000-0007-C9C9-4?urlappend=index.php?title=%C2%A768%26oldid=690 (Zugriff: 18.9.2019).

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