§71

Aus Hieroglyphisch-Ägyptische Grammatik

Version vom 26. Juli 2018, 12:05 Uhr von Werningd (Diskussion | Beiträge) (Schützte „§71“ ([Bearbeiten=Nur automatisch bestätigten Benutzern erlauben] (unbeschränkt) [Verschieben=Nur automatisch bestätigten Benutzern erlauben] (unbeschränkt)))
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Wechseln zu: Navigation, Suche
← zurück §70 weiter §72 →

Der Resultativ als Hauptsatz

Beim Resultativ sind insbesondere die vier folgenden Verwendungsweisen zu unterscheiden:

(1) In den meisten Fällen steht dem Resultativ sein Subjekt voran. Dabei kongruiert der Resultativ mit dem Subjekt hinsichtlich Person, Numerus und Genus.

[ggf. Satz-
partikel]
[Subjekt] [Resultativ,
kongruierend]
[ggf. indirektes Objekt]
𓇋𓅱 𓏏𓏐𓏒 𓂋𓂞 𓈖 𓅐𓏏𓁐
jw rḏ(j).ø n mʾw.t
ptkl Brot:m.sg geben:res:3sg.m für Mutter:f
‘Das Brot ist der Mutter gegeben (worden).’


Werning-Einfuehrung-2015-§71.png

Im Fall eines pronominalen Subjekts wird dieses, obwohl es ja quasi schon in der Personalendung des Resultativ vorhanden ist, ebenfalls „nochmal“ vor dem Resultativ ausgedrückt (Ausnahmen dazu weiter unten). Pronominale Subjekte brauchen dabei immer eine Partikel als Stütze und erscheinen je nach Partikeltyp als enklitisches Personalpronomen oder als Suffixpronomen.

Beispiel:

𓅓‌𓂝𓎢 𓏲𓀀 𓇍𓏭𓂻𓎢𓏲𓀀 (Allen 2010: 209)
m⸗k w(j) jjï.kw
aufm=2sg.m 1sg kommen:res:1sg
‘Siehe, ich bin gekommen.’


Die Benutzung von Satzpartikeln ist bei nicht-pronominalen Subjekten hingegen optional. In folgendem Satz steht beispielsweise keine:

𓆓𓂝𓊡 𓉐𓂋𓂻 (Allen 2010: 209)
ḏꜥ pr(j).ø
Sturm:m.sg hervorkommen:res:3sg.m
‘Ein Sturm ist/war aufgekommen.’


Wie oben erwähnt, bezeichnen die Resultativsätze einen nach einer Aktion erreichten Zustand:

𓎛𓄿 𓇿𓈇 𓎔𓏛 𓅓 𓏇𓏏𓏦 (Allen 2010: 209)
ḥꜣ tꜣ mḥ.ø m mjt.(ïw)⸗f
wäre_(doch) Land:m.sg füllen:res:3sg.m mit solche_wie=3sg.m
‘Ach, wäre das Land doch gefüllt mit solchen wie er.’
‘Ach, wäre das Land doch voll von solchen wie er.’


… oder einen (natürlichen) Zustand von Adjektiven und stativischen Verben:

𓃹𓈖‌𓇋‌𓈖 𓄣𓏤𓆑 𓄤𓆑𓂋 𓂋 𓐍𓏏‌𓏛𓏥 𓎟𓏏 (Allen 2010: 211)
wn.jn jb⸗f nfr.ø r (j)ḫ.(w)t nb.t
dann Herz:m.sg=3sg.m vollkommen:res:3sg.m zu Sache:f:pl jede:f
(Wörtl. ‘Daraufhin war sein Herz vollkommen (geworden) im Vergleich zu Allem.’)
‘Daraufhin war seine Stimmung allerbestens.’


Bei intransitiven Bewegungsverben, z.B. ‘hervorkommen’, hat der Resultativ quasi dieselbe Bedeutung wie der Anterior. Für entsprechende Aussagen bevorzugte der/die Ägypter/in dabei praktisch immer den Resultativ. Deshalb ist der Anterior bei intransitiven Bewegungsverben so gut wie gar nicht belegt. (Sehr wohl belegt ist er aber im negierten Fall nach 𓂜 n(j), siehe §46.) So formulierte ein/e Ägypter/in in der Praxis eine Aussage einer intransitiven, abgeschlossenen oder vergangenen Bewegung wie beispielsweise

‘Ein Sturm ist/war aufgekommen.’

so gut wie nie mit dem Anterior

** 𓇋𓅱 𓉐𓂋𓂻𓈖 𓆓𓂝𓊡
jw pr(j).n ḏꜥ
ptkl hervorkommen:ant Sturm:m.sg

sondern mit dem Resultativ

𓆓𓂝𓊡 𓉐𓂋𓂻 (Allen 2010: 209)
ḏꜥ pr(j).ø
Sturm:m.sg hervorkommen:res:3sg.m
‘Ein Sturm ist/war aufgekommen.’
‘Ein Sturm kam auf.’


(2) Ausnahmsweise steht der Resultativ in der 1. Person (Sg.) gelegentlich auch ohne extra Personalpronomen davor, d.h. selbständig direkt am Satzanfang, z.B.:

𓈝𓅓𓂻𓎡𓅱𓀀 (Allen 2010: 217)
šm(j).kw
Ich bin … gegangen’
Ich ging …’,

oder direkt nach einer Partikel, z.B.:

𓊢𓂝𓈖𓉔𓄿𓂻𓎢𓅱𓀀𓂋𓌻𓂋𓇋𓇋𓏏𓈇𓏤 (Allen 2010: 209)
ꜥḥꜥ.n hꜣ(j).kw r mry.t
‘Dann ging ich zum Ufer hinunter’.

Hier kann der Resultativ ausnahmsweise auch bei transitiven Verben optional aktive Bedeutung haben.


(3) Nicht selten steht der Resultativ in der 2. Person selbständig direkt am Satzanfang. In diesen Fällen wird dann immer ein Wunsch oder Befehl ausgedrückt, z.B.:

𓇍𓇋𓂻𓍘𓇋𓅓𓊵𓏏𓊪 jj(j).tj m ḥtp Du mögest in Frieden gekommen sein!’ (d.h. ‘Willkommen!’),
𓋴‌𓈖𓃀𓏏‌𓊗𓏻 snb.t(j) zp 2 Du mögest gesund sein! Du mögest gesund sein!’ (d.h. ‘Alles alles Gute!’).
(Allen 2010: 218)

Nur in bestimmten Heilswünschen begegnet man dieser Verwendung auch in der 3. Person, namentlich insbesondere in den folgenden, auf Monumenten häufig belegten Wünschen:

𓋹𓍘𓆓𓏏𓇾 ꜥnḫ.tj ḏ.t Sie möge ewig leben!’,
𓋹𓍑𓋴 ꜥnḫ.ø (w)ḏꜣ.ø s(nb.ø) Er möge leben, heil und gesund sein!’,
𓋹𓍑𓋴𓍘 ꜥnḫ(.tj) (w)ḏꜣ(.tj) s(nb).tj Sie möge leben, heil und gesund sein!’.
(Allen 2010: 221)

Literaturhinweise

Allen (²2010: Kap. 17.4–7,9,16–17,20–21); Schenkel (⁵2012: Kap. 7.3.2,d–f, 8.4.1.2)

Siehe Bibliographie (teilweise mit Links zu online verfügbaren Werken).


Zitieren Sie diese Version dieser Seite:

Daniel A. Werning. 26.7.2018. "§71", Digitale Einführung in die hieroglyphisch-ägyptische Schrift und Sprache, Humboldt-Universität zu Berlin, http://hdl.handle.net/21.11101/0000-0007-C9C9-4?urlappend=index.php?title=%C2%A771%26oldid=693 (Zugriff: 21.9.2019).

Kommentieren Sie diese Seite hier.

← zurück §70 weiter §72 →