Campus Artium

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campus artium - ein Netzwerk zur Erfassung der ausländischen Künstler in Rom

Selbstbildnis Wilhelm Schadows mit dem Bruder Ridolfo und Bertel Thorvaldsen, um 1816, Berlin, Nationalgalerie (CC BY ND)

Campus artium - Rom als europäisches Interaktionsfeld für Künstler, Auftraggeber und Agenten vom 16. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts mit Schwerpunkt auf den deutschen Künstlern von ca. 1770 – 1870. Konzept für ein Dokumentations- und Forschungsprojekt von Georg Schelbert

Die zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu bis zu mehreren hundert Personen angewachsene Gruppe deutscher Künstler, Schriftsteller und Forscher war Teil eines internationalen Kosmos, dessen Interdependenzen aufgrund vorwiegend nationaler Forschungsinteressen und Beschränkungen in der Erschließung, Aufarbeitung und Darstellung des Materials bislang nur unzureichend untersucht sind. Unter verschiedenen Aspekten erfordert das Thema der Kulturrezeption, des Kulturaustauschs und der Identitätskonstitution und –bildung vor einem europäischen Hintergrund noch umfangreiche weitere Erforschung, die einen möglichst umfassenden und fragestellungsvariablen Zugriff auf das kulturhistorische Primärmaterial – seien es Artefakte oder Dokumente – erfordert. Die erst mit den modernen digitalen Dokumentationsmethoden in ihrer raumzeitlichen Komplexität darstellbare Topographie der Stadt Rom bildet ein hervorragendes Grundgerüst um das teils weit verstreute Quellenmaterial, die bisherige und zukünftige Forschung besser zugänglich und handhabbar zu machen. Zugleich können neue, beispielsweise quantitative Fragestellungen entwickelt werden.

Die Projektidee Campus Artium kann ausschließlich kollaborativ - idealerweise international und interdisziplinär - verwirklicht werden. Sie schließt an ähnliche Projekte und Aktivitäten auf dem Gebiet der Romforschung und der allegemeinen Kunstgeschichte an. Voraussetzung für den Ansatz des Projekts, das in quantitativer Ausgerichtung sowohl Überblick über bisherige Forschung geben wie eine Grundlage für neue Fragestellungen bieten möchte, ist das Vorhandensein einer geeigneten Infrastruktur zu Speicherung, Analyse und Veröffentlichung von Daten. Mit dem an der Bibliotheca Hertziana entwickelten Datenbanksystem ZUCCARO ist eine solche Grundlage im Prinzip vorhanden, jedoch immer noch in einem vorläufigen technischen und organisatorischen Stadium. Die Struktur der Datenbank ZUCCARO bietet ideale Voraussetzungen, die räumliche Verteilung, die persönlichen Beziehungen und die Geschichte der Werke der in Rom tätigen Künstler zu dokumentieren. Bei entsprechender Datenmenge lassen sich soziale Strukturen und soziokulturelle und sozioökonomische Entwicklungstendenzen ablesen.

Ziel des Projekts ist es, das umfangreiche, zugleich aber modellhaft abgeschlossene Soziotop der Kunstszene der Stadt Rom in der Neuzeit flächendeckend zu erfassen. In Ergänzung zu den vielen Einzelstudien können damit zwei Ziele erreicht werden: Erstens werden - auch auf quantitativer Grundlage - übergreifende Entwicklungen und Tendenzen sichtbar. Disziplinäre und nationale Beschränkungen können dabei überwunden werden. Zweitens kann eine systematische Dokumentation als verbesserte und übersichtliche Zugangsform zu den Original- und Quellenmaterialien dienen, die zwar zunehmend online zugänglich gemacht werden, aber durch Verstreutheit teilweise schwer auffindbar sind.

Beispielabfragen

Beispielabfrage (Screenshot): Geburtsorte von Personen aus der Kartei von Friedrich Noack ("Schede Noack"), die in der ZUCCARO-Datenbank erfasst sind

Gespeicherte Abfragen als pdf

(schneller Download, jedoch statischer Datenstand, jeweils wie auf Ausdruck angegeben)

Live-Abfragen

(ggf. lange Ladezeiten, die Abfragen aktualisieren sich mit dem Datenstand in ZUCCARO fortlaufend)

Häuser in den Rioni Campo Marzio und Colonna, in denen Künstler wohnten (Abfrage in Zuccaro; Sortierung von NW nach SO, Funktionsweise der noch unvollkommenen Abfrage: Frage nach allen Häusern, die Profanbauten [also keine Kirchen] sind, mit denen Personen, die Künstler sind, in Beziehung stehen, ohne jedoch deren Architekten zu sein. Da die Quellengrundlage, auf der die Daten in der Datenbank beruhen, in der Regel Rechnungdokumente etc. sind, ist bislang selten verzeichnet, dass eine Person Bewohner oder Besitzer eines Gebäudes ist. Hierzu müssen noch die stati d'Anime ausgewertet werden)

... Häuser in den Rioni Campo Marzio und Colonna, in denen Maler wohnten

... Häuser in den Rioni Campo Marzio und Colonna, in denen Architekten wohnten (Karte)

... Häuser in Rom, in denen Künstler wohnten (von Nordwest nach Südost)

... Häuser in Rom, in denen zwischen 1810 und 1820 Künstler einzogen (von Nordwest nach Südost)

Künstler, die im Campo Marzio wohnten

Mit dem Schedarium Noack verknüpfte Personen

Deutsche Künstler, die sich in Rom aufhielten (nach Geburtsjahr)

Französische Künstler, die sich in Rom aufhielten (nach Geburtsjahr)

Künstler aus dem deutschen Sprachraum, die in Rom gestorben sind (nach Sterbedatum); dto. Personen allgemein

Französische Künstler, die in Rom gestorben sind (alphabetisch)

Buchhandlungen, die von Deutschen geführt wurden (alphabetisch)

Künstler, die Mitglied einer Künstlergesellschaft waren (alphabetisch)

Herkunftsorte deutschsprachiger Personen in Rom (alphabetisch, Karte)

Ausländische Künstler in Rom (nach Geburtsjahr, absteigend)

Nutzung des Datenbestands in anderen Umgebungen

Darstellung (Screenshot) der Wohnorte und -zeiten von Künstlern in Rom im Dariah.de Geobrowser

Darstellung der Wohnorte und -zeiten von Künstlern in Rom im Dariah.de Geobrowser (Screenshot, Stand 2013)

Online-Ressourcen im Kontext

  • Schede Noack (Aufzeichnungen zu deutschen Künstlern in Rom, J. Kliemann, M. Raspe, N. Grillitsch)

Vorträge

  • Georg Schelbert, "Personal Networks and Biographical Data between Edition of Text Documents and Modeling of Historic Events", Corrispondenze d'artista: Roma e l'Europa (XVIII-XIX secolo)/ Artistic Correspondences, Rom,Svenska Institutet i Rom/Koninklijk Nederlands Instituut Rome (15.-16. 6. 2015), 16.6.2015
  • Georg Schelbert, "The four-dimensional digital city between idea and realisation Experiences from the projects Cipro e Orbis Urbis", Tagung: ROME Old Maps and Topography of a Big City, Czech Academy of Sciences, Praha, 6. Mai 2015
  • Georg Schelbert, "Ort, Weg, Blick. Zu den Bewegungsräumen fremder Künstler in Rom um 1800 und ihren Quellen, Romkünstler im Ottocento", Tagung: Konstellationsanalysen ästhetischer Praxis, Bibliotheca Hertziana, Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte (5.-7.12.2013), 6.12.2013

Kontakt

Dr. Georg Schelbert (Institut für Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin)