Bestandsentwicklung Glasdias

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Dia aus dem Vorkriegsbestand mit Glasbruch

Allgemeines

Die bislang bekannten Quellen zur Bestandsentwicklung sind die jährlichen Universitätsberichte und andere Erwähnungen. Größere Bestände von Rechnungsdokumenten, Korrespondenz mit Herstellern oder etwa Berichte eines Institutsfotografen sind nicht bekannt. Daher ist der Bestand mit seinen Merkmalen, etwa Inventarnummern, Beschriftungstypen oder gar Handschriften, selbst eine wichtige Quelle (siehe auch Inventarisierungsphasen).

Eine weitere Quelle im Kontext der Erwerbung und Herstellung von Dias sind die Vorlesungsverzeichnisse (siehe auch Seite zum Einsatz der Glasdias in der Lehre).

Stationen der Bestandsentwicklung

  • Denominationen von Institut, Bibliothek und Bildsammlung: ab 1875 Apparat für Vorlesungen über neuere Kunstgeschichte, 1912 "kunstgeschichtliches Seminar", 1931 "Institut für Kunstgeschichte", 1968 "Bereich Kunstwissenschaft" (Funke 1983, p. 19/20).
  • Ab 1891 Einsatz von Diapositiven unter Hermann Grimm (Haffner 2007, p. 120; Brief Grimm an Althoff, 11.2.1892: "Ich möchte mir die Prophezeihung erlauben, daß im Laufe von zwei Jahren an allen unseren Universitäten Kunstgeschichte gelesen werden wird wie von nun an in Berlin" Rößler 2010, S. 85)
  • 1893 ca. 2400 Stk. vorhanden (bez. als "Glasplattenphotogramme") (Luft 1957, p. 9-10)
  • 1893/94 "Die verfügbaren, durch einen ausserordentlichen Zuschuss nicht unwesentlich erhöhten Mittel des Apparates sind vorwiegend zur Beschaffung von Glasplatten für das Skioptikon verwendet worden. Die erworbenen Negative, deren Zahl dem verflossenen Zeitraum von 1700 auf 2370 Stück gestiegen ist, betreffen das gesammte Gebiet der christlichen Kunst, vorzüglich jedoch die des vorigen und des jetzigen Jahrhunderts. Ist demnach diese Sammlung schon jetzt eine recht stattliche zu nennen, so bestehen darin doch noch erhebliche Lücken, besonders auf dem Gebiete der Architektur der älteren deutschen und der niederländischen Kunst. Diese auszufüllen sowie die Qualität der zur Reproduktion gewählten Vorlagen zu verbessern, damit den Studirenden das Anschauungsmittel nur in reinstem Zustande geboten werden kann, wird die nächste Aufgabe der Apparatsverwaltung sein. Von Anfang an machte sich das Bedürfnis nach einer sachgemässen Aufstellung der zahlreichen Glasbilder geltend. Dieselbe wurde bis zum Ablaufe des verflossenen Etatsjahres beendigt. Die Negative befinden sich in eigens dazu angefertigten Schränken, in historischer Folge nach Schulen und Meistern geordnet, so dass das für die Demonstrationen nothwendige Material in möglichster Vollständigkeit beisammen liegt, auch Verwandets aus andren Kunstgebieten, besonders bei ikonographischen Darlegungen, sofort herangezogen werden kann. Auch die Katalogisirung der Glasplatten wurde durch Anlegung eines Zettelkatalogs in Angriff genommen. Est steht zu hoffen, dass dieselbe in nächster Zeit abgeschlossen sein wird." (ausführl. Bericht von Karl Frey; Chronik für das Rechnungsjahr 1893/94, p. 73-75)
  • 1894/95 Bestand von 2370 auf 2800 Stk. angewachsen. Von den 430 angeschafften Exemplaren stammten 170 Stk. von Fotograf Günther (Stückpreis 3 Mark, wird als sehr hoch angesehen, daher mit der Eigenproduktion - 260 Stk. - begonnen) (ausführl. Bericht von Karl Frey; Chronik für das Rechnungsjahr 1894/95, p. 66-67) [mit dem Fotografen Günther ist wohl Carl Günther gemeint, der ab 1865-1880 in der Dorotheenstr. 83, von 1881-1884 in der Leipziger Str. 105 ansässig war und wohl ab 1884 bis mindestens 1908 ein Atelier in der Behrensstr. 24, Berlin W64 hatte (lt. Adressbucheinträge)]
  • 1895 Gründung des "Instituts für wissenschaftliche Projection" durch Franz Stoedtner (Haffner 2007, p. 122, u.a.; bemerkenswerter Weise bei Luft 1957 und Funke 1983 nicht erwähnt)
  • 1895 Einrichtung eines eigenen Fotolabors ("aus Privatmitteln und Zuwendungen des Kultusministeriums ein eigenes Photolabor eingerichtet", Luft 1957, S. 10; Funke 1983, S. 22)
  • 1895/96 Bestand der Dias um 91 Stk. erhöht "zumeist Werke der deutschen Kunst aus dem frühen Mittelalter" (Karl Frey; Chronik für das Rechnungsjahr 1895/96, p. 69)
  • 1897/98 "Bestand vermehrt", 700 Mark Zuwendung (Grimm, Chronik für das Rechnungsjahr 1897/98, p. 75).
  • 1898/99 "Vermehrung der Glasbilder", "Dem Privatdozenten Dr. Alfred Schmidt wurde die Benutzung des Skoptiokons gewährt" (Grimm; Chronik für das Rechnungsjahr 1898/99, p. 65).
  • 1899 "einmalige Zuwendung von 300 Mark" (Grimm; Chronik für das Rechnungsjahr 1899, p. 65)
  • 1900 Fortsetzung der Anschaffung von "Photographien und Glasbildern" (Grimm; Chronik für das Rechnungsjahr 1900, p. 76; Grimm starb 1901).
  • 1901 "Extraordinarium von 10.000 Mark": 800 Fotografien italienischer Meister angekauft und Diabstand um 1163 "Platten" vermehrt (ausführlicher Bericht von Wölfflin; Chronik für das Rechnungsjahr 1901, p. 77-78).
  • 1902 um ca. 1400 "Glasplatten" vermehrt (v.a. Niederländische Kunst) (Wölfflin; Chronik für das Rechnungsjahr 1902, p. 87)
  • 1903 "Der Bestand an Diapositiven ist um mehr als 1000 Nummern aus allen Gebieten und Epochen vermehrt worden. Die Anschaffung von Photographien belief sich auf 600 Blatt (meist italienische Malerei), dazu kamen gegen 200 Blätter deutsche Architektur, die uns der Herr Minister auf unser Ansuchen geschenkeweise von der Kgl. Meßbildanstalt überweisen ließ. Die Bibliothek ist um 63 Werke gewachsen" (Wölfflin; Chronik für das Rechnungsjahr 1903, p. 95-96)
  • 1904 "Die Sammlung der Diapositive ist um rund 1000 Stück vermehrt worden, die der Photographien um 150 (wesentlich ältere deutsche Malerei). Außerdem bewilligte das Ministerium 50 Blätter der Kgl. Meßbildanstalt (mittlalterliche deutsche Architektur). Ein Extraordinarium von 600 Mk. wurde hauptsächlich zur Ergänzung der Bibliothek verwendet, die um 63 Bände gewachsen ist. Von privater Seite erhielt der Apparat 140 Mk., das Erträgnis von kunstgeschichtlichen Vorträgen." (Wölfflin; Chronik für das Rechnungsjahr 1904, p. 87)
  • 1906 um 1050 "Platten" vermehrt, (Wölfflin; Chronik für das Rechnungsjahr 1906, p. 103)
  • 1907 keine spezifischen Angaben ("die vorhandenen Sammlungen wurden vorhandenen Mitteln gemäß erweitert"), (Wölfflin; Chronik für das Rechnungsjahr 1907, p. 101)
  • 1910 ca. 15.000 Stk. vorhanden (Lenz 1910, p. 265-266)
  • 1912 Verlegung des Instituts aus dem Hauptgebäude in das sog. Aulagebäude (Unger-Bau, ehem. Kgl. Bibliothek), damals ca. 15.000 Stk. Diapositive vorhanden (Luft 1957, S. 16). Aber: "Die Diapositivsammlung verblieb im alten Zimmer" (Funke 1983, S. 30)


[keine Chronik der Universität in den Jahren 1916-1926, Funke 1983, S. 31]

  • nach 1931, Einrichtung einer zweiten Fotografenstelle durch A.E. Brinckmann (Luft 1957, S. 28)
  • unbekannter Zeitpunkt (verm. vor 1945, evtl. vermittelt durch A.E. Brinckmann): Übernahme von Dias aus dem kunsthistorischen Institut der Universität Köln.
  • 1934 umfasste die Diathek 54000 Diapositivplatten ("Die Diapositivsammlung wurde bedeutend vergrößert, so dass sie 1934 = 54000 Platten betrug", Luft 1957, S. 28).

[...]

  • 1943/45 Zerstörung eines erheblichen Anteils der Sammlung ("In einer Nacht [im November 1943] wurden die gesamten Bestände des Instituts, die in jahrelanger Arbeit von mehreren Generationen von Wissenschaftlern zusammengetragen worden waren, vernichtet. Die Diapositivsammlung wurde mit Ausnahme der Diapositive der Kunst des 19. Jahrhunderts und der französischen Kunst gerettet, wenn auch in vollig ungeordnetem Zustand" Luft 1957 S. 32)
  • 1949ff. "Die Bestände der Diapositivsammlung wurden teilweise gerettet und laufend ergänzt, so daß diese Sammlung ca. 50.000 Stück beträgt" (Luft 1957, S. 36). Reparatur und Neuetikettierung älterer Bestände (gekennzeichnet mit "Alter Bestand", vgl. hier).
  • 1950ff. Herstellung zahlreicher neuer Dias (v.a. Repros aus Buchpublikationen, teils schlechte Bildqualität). Verwendung eines neuen Inventarnummer-Systems (bis mindestens 1960), zunächst - 1950 - bestehend nur aus Nummer, deren erste beide Ziffern Jahreszahl angeben; ab 1951 mit doppeltem System (zusätzliche Nummer mit durch Schrägstrich gekennzeichneter Trennung zwischen Jahreszahl und Laufnummer).
  • unbekannter Zeitpunkt (verm. um/nach 1960, verm. durch Gerhard Strauss, der bei der DBA beschäftigt war): Übernahme von Dias aus der Deutschen Bauakademie (DBA); diese überwiegend nicht mit schwarzem Papier geklebt, sondern mit beigem, selbstklebendem sog. "Gänsehautband"/"Pickelband" hergestellt.
  • 2009 Aufstellung im Grimm-Zentrum, ca. 57.000 Diapositive vorhanden, Ordnung teils gestört durch mehrere Umzüge (bereits in Dorotheenstr. 28).
  • 2016ff. Digitalisierung des gesamten Bestands und Online-Bereitstellung (sukzessive Erschließung mit Metadaten).
Georg Schelbert, Stand 5.2018