Yuva

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Regie

Mani Ratnam

Erscheinungsjahr

2004

Genre

Spielfilm

Produktion/Land

Indien

Spielzeit

172 Min.

Sprache

Deutsch & OmU

Untertitel

Deutsch

Kurzbeschreibung

Ein Unfall auf einer Brücke wirbelt das Leben dreier junger Männer durcheinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Michael (Ajay Devgan), ein politisch aktiver Student, kämpft gegen staatliche Korruption. Der reiche Arjun (Vivek Oberoi) plant Indien zu verlassen, und Lallan (Abhishek Bachchan), der kurz zuvor noch im Gefängnis saß, kehrt zu alten kriminellen Gewohnheiten zurück. 3 Männer, 3 Geschichten. Und ein Unfall, der alle verbindet.

Filmbesprechung

auf http://www.molodezhnaja.ch/india_x.htm#yuva


Auf der zweiten Hoogly-Brücke in Calcutta treffen drei Männer aufeinander: Lallan Singh (Abhishek Bachchan) schiesst auf Michael Mukherjee (Ajay Devgan) und Arjun (Vivek Oberoi) wird Zeuge davon. Lallan stammt aus einer armen Familie. Nach seiner Freilassung aus dem Knast zieht er mit Sashi (Rani Mukherjee) zusammen. Doch selbst sie und ihre Schwangerschaft können Lallan nicht von der Kriminalität abhalten. Bald begibt er sich in die Dienste des Politikers Projonjit Bannerjee (Om Puri) und führt für ihn Morde aus. Ein Ziel ist Michael. Der ist Studentenführer und sieht mit seiner Geliebten Radhika (Esha Deol) einer rosigen Zukunft entgegen. Gleiches gilt für den unentschlossenen Casanova Arjun, der aus reichem Hause stammt. Er hat ein Stipendium für die USA ergattert und sich in Mira (Kareena Kapoor) verliebt. Doch das Ereigniss auf der Hoogly-Brücke wirft das Leben der drei Männer über den Haufen.

Mani Rathnams Filme sind immer ein Ereignis. Auf "Yuva" trifft dies ganz besonders zu, ist der Streifen doch Rathnams erstes Hindi-Werk seit Dil Se im Jahr 1998. Doch ich war enttäuscht. Trotz gutem Spiel, trotz hervorragender Inszenierung und trotz einem Soundtrack von A.R. Rahman hinterliess "Yuva" bei mit keine Spuren. Wenn ich denke, wie ich nach Bombay oder A Peck in the Cheek Tränen-gerötete Augen hatte oder nach Dil Se Wochenlang "Chaiya Chaiya" gesungen habe ... "Yuva" löst einfach keine solchen Gefühle aus, keine solche Begeisterung. Das soll nicht heissen, der Film sei schlecht, denn selbst ein unterdurchschnittlicher Rathnam-Film ist immer noch besser als die Mehrzahl der Bollywood-Streifen. Wenn man das im Hinterkopf hat, ist "Yuva" einen Blick wert.

Die nicht-lineare Geschichte ist an einem schicksalshaften Punkt verknüpft. Es ist dieser Erzähl-Trick, der an Alejandro González Iñárritus "Amores Perros" erinnert und der "Yuva" mit anderen Rathnam-Filmen verbindet, denn der Regisseur setzte immer Zufall und Schicksal ein, um den Plot an einem bestimmten Punkt zusammenzuführen, das Ruder rumzureissen oder zu überraschen. Nach diesem Ereignis, das wir aus drei Perspektiven sehen, verliert der Film etwas an Zug, doch dafür wird endlich klar, worum es überhaupt geht in "Yuva". Um Politik. Oh ja, um ein solch trockenes Thema. Jugend, Liebe, Kriminalität, Klassenstruktur - alles spielt mit, doch letztendlich dreht sich der Streifen um die Politik in West Bengalen. Das hört sich ja völlig abschreckend an. Genau dagegen will Rathnam etwas tun. Er will den Staub von der Politik nehmen, Junge dazu bewegen, sich zu engagieren. Deshalb ist "Yuva" ja auch ein optimistischer Film. Aber so ganz überzeugt sein Ansatz, den Film in allerlei Themen zu fussen, eben doch nicht. Ich sags mal so: wenn dann endlich mal klar ist, worums geht, ist der Film bereits fertig und man kommentiert die Ereignisse mit einem Achselzucken.

Sehenswerter machen ihn jedoch Inszenierung und Akteure. Abhishek Bachchan ist als Fiesling super und hat böses Charisma. Ajay Devgan ist solide wie immer und sein Company- und Masti-Partner Vivek Oberoi versprüht jugendliche Lebensfreude. Er ist zudem attraktiver als in den meisten Filmen zuvor. Om Puri ist wieder einmal eine Klasse für sich. Die Mädels haben weniger zu tun. Esha Deol bleibt blass und Rani Mukherjee (die beste der Frauen) kommt klar zu kurz. Kareena Kapoor sieht wahlweise aus wie eine Hippie-Dame oder ein Zombie. Sorry, Girl, aber dieser Look war okay in Chameli, hier wirkt er manchmal nur noch abschreckend.

Die Musik von A.R. Rahman schmeichelt den Ohren, aber die Song-Nummern sind zu austauschbar. Die meisten sind sphärisch-experimentell, bleiben aber nicht im Ohr. Highlights sind der moderne "Dol Dol" und der Latin-angehauchte "Fanaa", der sexy inszeniert ist. "Anjaana Anjaani" ist frisch, jung und versprüht Sommer-Feeling. Da wird auch ein kleiner Trick Rathnams deutlich, die drei Handlungsstränge visuell umzusetzen: Abhisheks Story ist mit verwackelter Kamera gedreht, es regnet meistens, die dominierende Frabe ist grau. Devgans Plot wirkt ruhiger und Oberois Story ist die farbigste, die sonnigste. "Since I know you, even Calcutta looks clean and tidy to me" sagt er mal zu Kareena. Der Stil widerspiegelt den gesellschaftlichen Status der Protagonisten. Ein hübscher Trick.

Nicht minder eindrücklich die finale Actionszene auf der Brücke. Die perfekt choreografierte und gefilmte Prügelei inmitten des fliessenden Verkehrs kann leicht mit Hollywood mithalten. Rathnam ist schliesslich einer der versiertesten Techniker Indiens. Doch eben: für einen Klassefilm reicht all das nicht. "Yuva" ist eindrücklich, aber enttäuschend. Schön, aber leer. Und besonders diese Aussage schmerzt wohl jeden Rathnam-Fan, zu denen ich mich durchaus zählen darf ...

Filmplakat/Cover

http://www.cineasten.de/bilder/filme/yuva/l.jpg

Link Trailer

http://www.cineasten.de/filme/yuva,trailer.html

Link Bibliothek

http://opac.hu-berlin.de/F/PR1AI5Y4JAEA7PMSTQN8CRGFBTFJ45SMSE2CCCNYJD7HJS94PR-18150?func=full-set-set&set_number=053271&set_entry=000001&format=999

Signatur Bibliothek

SA/AP 59465 Y95